
Fünf Jahre Kita-Alltag, drei Trägerumstrukturierungen und mittendrin der Gedanke: "Was kommt danach?" Viele Erzieher:innen spielen irgendwann mit der Idee, ein Studium dranzuhängen. Nicht, weil die Arbeit am Kind nicht mehr passt. Sondern weil sich die eigenen Ansprüche, Belastungsgrenzen oder beruflichen Ziele verändert haben.
Ein Studium nach der Ausbildung kann neue Türen öffnen – aber es ist kein Automatismus. Nicht jeder Studiengang passt zu jedem Berufswunsch, nicht jede Hochschule erkennt die Ausbildung gleichermaßen an, und nicht jeder finanzielle Rahmen trägt ein berufsbegleitendes Studium. Die Frage ist weniger "Soll ich?", sondern "Unter welchen Bedingungen macht es für mich Sinn?"
Erzieher:innen arbeiten täglich mit komplexen Themen: Trauma, Sprachentwicklung, Inklusion, Elternarbeit. Die Ausbildung liefert einen Werkzeugkasten. Ein Studium sortiert diesen neu, ergänzt wissenschaftliche Grundlagen und schafft Reflexionsräume, die im Kita-Alltag oft fehlen.
Beispiel: Wer sich intensiv mit Sprachförderung auseinandersetzen will, findet in einem Studium der Kindheitspädagogik gezielt Module zu Mehrsprachigkeit, Diagnostik oder Sprachbildungskonzepten – deutlich tiefer als in einer dreijährigen Ausbildung.
Nicht jede:r will bis zur Rente in der Gruppenarbeit bleiben. Manche Erzieher:innen merken nach einigen Jahren: Die körperliche Belastung, der Lärmpegel oder die strukturellen Rahmenbedingungen passen nicht mehr.
Ein Studium eröffnet andere Tätigkeitsfelder: Fachberatung, Jugendamt, Trägerarbeit, Weiterbildung, Wissenschaft. Die Arbeit bleibt nah am Thema, aber die Rolle verändert sich.
Ein abgeschlossenes Studium führt nicht automatisch zu mehr Geld. Wer als studierte Kindheitspädagog:in weiter in einer Gruppe arbeitet, bleibt meist in derselben Entgeltstufe wie zuvor. Der Gehaltssprung passiert erst beim Wechsel in eine höhere Position – Leitung, Fachberatung, Projektleitung.
Konkret: Eine Kita-Leitung wird in vielen Tarifverträgen (z. B. TVöD) in S 8a bis S 15 eingruppiert (je nach Größe der Einrichtung). Als Gruppenleitung ohne Studium liegt die Eingruppierung häufig bei S 8a. Mit Studium und entsprechender Position sind S 12 bis S 15 möglich – das bedeutet netto mehrere hundert Euro mehr pro Monat.
Die Voraussetzungen sind bundeslandabhängig geregelt. In den meisten Bundesländern gilt:
Wichtig: Jede Hochschule legt ihre eigenen Zugangskriterien fest. Manche erkennen die Erzieher-Ausbildung als fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung an, andere nicht. Nachfragen lohnt sich.
Fokus auf frühkindliche Bildung, Entwicklung und Betreuung. Der Studiengang qualifiziert explizit für die Arbeit mit Kindern von 0 bis 10 Jahren – in Kitas, Familienzentren, Frühförderstellen oder Jugendämtern.
Typische Inhalte: Entwicklungspsychologie, Sprachbildung, Inklusion, Qualitätsmanagement, Elternarbeit, Sozialrecht.
Berufsfelder: Kita-Leitung, Fachberatung, Familienzentren, Jugendamt (Bereich Kindertagesbetreuung), Forschung.
Breiter aufgestellt als Kindheitspädagogik. Neben der Arbeit mit Kindern umfasst das Studium auch Jugendarbeit, Sozialberatung, Gemeinwesenarbeit und Jugendgerichtshilfe.
Typische Inhalte: Sozialrecht, Methoden der Sozialen Arbeit, Psychologie, Soziologie, Verwaltung.
Berufsfelder: Jugendamt, Sozialberatung, Schulsozialarbeit, Trägerarbeit, stationäre Jugendhilfe.
Eher theoretisch-wissenschaftlich orientiert. Weniger praxisnah als Kindheitspädagogik, dafür mit Schwerpunkten in Bildungsforschung, Didaktik, Erwachsenenbildung.
Berufsfelder: Wissenschaft, Weiterbildung, Bildungsmanagement, Verlage, politische Beratung.
Spezialisierung auf inklusive und heilpädagogische Arbeit. Für alle, die sich gezielt mit Kindern mit Behinderungen, Entwicklungsverzögerungen oder besonderen Förderbedarfen beschäftigen wollen.
Berufsfelder: Frühförderstellen, Integrationskitas, heilpädagogische Einrichtungen, Schulbegleitung.
Klassisches Präsenzstudium, meist drei bis vier Jahre (Bachelor). Setzt voraus, dass die Kita-Tätigkeit reduziert oder pausiert wird. Ohne finanzielle Rücklagen oder BAföG-Anspruch oft nicht realisierbar.
Verlängerte Studienzeit (vier bis sechs Jahre), dafür parallel zur Berufstätigkeit möglich. Viele Hochschulen bieten Abend- oder Wochenendveranstaltungen an.
Wichtig: Absprache mit dem Arbeitgeber nötig. Manche Träger unterstützen durch angepasste Dienstpläne, andere nicht.
Flexibel, aber auch isolierend. Lernmaterialien werden online bereitgestellt, Präsenzphasen sind auf wenige Wochenenden im Semester beschränkt.
Vorteil: Kein Ortswechsel nötig, Studium passt sich dem eigenen Rhythmus an.
Nachteil: Hohe Selbstdisziplin erforderlich, wenig direkter Austausch mit Kommiliton:innen.
Kombination aus Studium und bezahlter Tätigkeit in einer Einrichtung. Der Arbeitgeber stellt frei für Studienzeiten, zahlt weiter Gehalt (oft reduziert) und übernimmt manchmal Studiengebühren.
Vorteil: Finanziell abgesichert, Theorie und Praxis verzahnt.
Nachteil: Bindung an einen Arbeitgeber, oft mit Rückzahlungsklauseln bei vorzeitigem Abbruch.
Wer unter 30 Jahre alt ist (bei Masterstudiengängen unter 35) und bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet, kann BAföG beantragen. Maximal 934 € pro Monat (Stand 2026), zur Hälfte als Zuschuss, zur Hälfte als zinsloses Darlehen.
Zahlreiche Stiftungen fördern Studierende mit sozialem Hintergrund, Berufserfahrung oder besonderem Engagement. Beispiele: Studienstiftung des deutschen Volkes, Hans-Böckler-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung.
Manche Träger übernehmen Studiengebühren oder gewähren Freistellungen – oft mit der Auflage, nach dem Studium für eine bestimmte Zeit im Unternehmen zu bleiben.
KfW-Bildungskredit: Unabhängig vom Einkommen, bis zu 300 € monatlich, niedrige Zinsen. Rückzahlung beginnt vier Jahre nach der ersten Auszahlung.
Berufsbegleitend zu studieren bedeutet: 20–30 Stunden Kita, 15–20 Stunden Studium, dazu Hausarbeiten, Klausuren, Praxisprojekte. Wer keine klaren Absprachen mit dem privaten Umfeld trifft, läuft nach einem Semester auf Verschleiß.
Nicht jede Hochschule rechnet die Erzieher-Ausbildung auf das Studium an. Manche erkennen einzelne Module an, andere verlangen, dass alle Inhalte neu absolviert werden – das verlängert die Studienzeit unnötig.
Ein Studium allein führt nicht zu mehr Geld. Wer danach in derselben Position bleibt, verdient meist genauso viel wie vorher. Der Gehaltssprung kommt erst mit dem Positionswechsel – und der ist nicht automatisch garantiert.
"Ich studiere mal Kindheitspädagogik" ist kein Plan. Wer nicht weiß, welche Position nach dem Studium angestrebt wird, läuft Gefahr, überqualifiziert für die Gruppe und unterqualifiziert für die Leitung zu sein.
Ja, in den meisten Bundesländern ist ein Hochschulstudium mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung möglich. Die genauen Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Hochschule. Manche verlangen eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium.
Ein Bachelorstudium dauert in Vollzeit meist drei bis vier Jahre. Berufsbegleitend verlängert sich die Studienzeit auf vier bis sechs Jahre, je nach Studienmodell (Teilzeit, Fernstudium, dual). Einige Hochschulen bieten auch Blockmodelle an, bei denen Präsenzphasen gebündelt werden.
Nein. Das Gehalt steigt nicht allein durch den Abschluss, sondern durch die Position. Wer nach dem Studium weiter als Gruppenleitung arbeitet, bleibt in der gleichen Entgeltstufe. Mehr Gehalt gibt es bei einem Wechsel in Leitung, Fachberatung, Trägerarbeit oder Jugendamt – dann allerdings oft deutlich mehr (mehrere hundert Euro netto pro Monat, je nach Tarifvertrag und Position).
Kindheitspädagogik wird an staatlichen und privaten Fachhochschulen sowie Universitäten angeboten. Bekannte Standorte: Alice Salomon Hochschule Berlin, Hochschule Esslingen, Evangelische Hochschule Freiburg, FH Potsdam. Viele Hochschulen bieten auch berufsbegleitende oder duale Modelle an. Ein Vergleich der Studienordnungen lohnt sich, da Schwerpunkte und Anerkennungspraxis variieren.
Ja, bei Teilzeit- oder Fernstudiengängen ist das üblich. Wichtig ist eine klare Absprache mit dem Arbeitgeber: Wie flexibel sind Dienstpläne? Gibt es Freistellungen für Prüfungsphasen? Manche Träger unterstützen durch angepasste Arbeitszeiten, andere nicht. Ohne diese Absprache wird die Doppelbelastung schnell zur Überforderung.
Ein Studium nach der Erzieher-Ausbildung ist kein Selbstzweck. Es macht dann Sinn, wenn es zu einem klaren beruflichen Ziel führt: mehr Verantwortung, andere Tätigkeitsfelder, fachliche Vertiefung. Wer sich aus Frust über die Arbeitsbedingungen ins Studium flüchtet, ohne zu wissen, was danach kommen soll, landet oft in derselben Situation – nur mit mehr Schulden und verlorener Zeit.
Die Entscheidung hängt davon ab, ob die Rahmenbedingungen stimmen: finanziell, zeitlich, persönlich. Wer diese Fragen für sich klärt, trifft eine informierte Entscheidung – keine verzweifelte.