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Quereinstieg in die Kita: Was wirklich auf Fachkräfte zukommt

Veröffentlicht am: 
20.2.2026
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„Quereinsteiger gesucht" steht in jeder zweiten Kita-Stellenanzeige. Klingt nach schnellem Einstieg. Die Realität ist: Es dauert. Und es kostet Kraft.

Quereinstieg bedeutet nicht „Montag anfangen, Dienstag ausgebildet sein". Wer aus einem anderen Beruf in die Kita wechselt, durchläuft eine mehrjährige Ausbildung – parallel zur Arbeit, mit reduziertem Gehalt, unter Fachkräftemangel-Bedingungen. Gleichzeitig ist dieser Weg für viele die einzige realistische Option, überhaupt in den Beruf zu kommen.

Welche Modelle gibt es?

Praxisintegrierte Ausbildung (PiA): 3 Jahre Vollzeit. Man ist von Anfang an im Team, bekommt Ausbildungsvergütung (ca. 1.100–1.300 €/Monat, je nach Träger). Theorieblöcke an der Fachschule, praktische Einsätze in der Einrichtung. Belastung: hoch. Man ist Azubi und wird gleichzeitig als Arbeitskraft eingeplant.

Berufsbegleitende Ausbildung: 3–4 Jahre Teilzeit. Man arbeitet in der Kita (meist 20–30 Std./Woche), besucht parallel die Fachschule (meist abends oder am Wochenende). Einkommen: niedriger als Vollzeit. Vereinbarkeit: schwierig, besonders mit Familie.

Anerkennung über Nichtschülerprüfung: Für Personen mit bestimmten Vorqualifikationen (z. B. Kinderpflege, Sozialpädagogik, langjährige Kita-Erfahrung). Man arbeitet weiter, bereitet sich eigenständig auf die Abschlussprüfung vor. Klingt flexibel, ist aber ohne strukturierte Unterstützung kaum zu schaffen.

Externenprüfung nach Berufserfahrung: In einigen Bundesländern möglich, wenn man bereits mehrere Jahre als Assistenzkraft in der Kita gearbeitet hat. Voraussetzung: nachweisbare Praxisstunden + Fachschul-Besuch oder selbstständige Vorbereitung.

Was wird erwartet?

Quereinstieg ist keine Verkürzung. Die Anforderungen sind identisch zur regulären Ausbildung: Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Beobachtung, Dokumentation, Elternarbeit, Hygienevorschriften, Kindesschutz. Dazu kommen Praxisberichte, Hausarbeiten, Prüfungen – neben dem laufenden Kita-Alltag.

Wer aus einem strukturierten Bürojob kommt, erlebt oft einen Schock: Lautstärke, körperliche Arbeit, emotionale Belastung, wenig Pause. Gleichzeitig lernt man, Konflikte zu deeskalieren, Entwicklungsschritte zu erkennen, Beziehungen zu gestalten. Das prägt.

Was kostet es?

Finanzierung: PiA wird vergütet, berufsbegleitende Ausbildung oft nicht oder nur gering. Manche Träger übernehmen Schulgeld, andere nicht. Wer privat zahlt, rechnet mit 200–500 € pro Monat.

Förderung: Aufstiegs-BAföG ist möglich (Zuschuss + zinsgünstiges Darlehen). Voraussetzung: mindestens 400 Unterrichtsstunden. Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit decken unter bestimmten Bedingungen Schulgeld und Lebenshaltungskosten.

Lebenshaltung: Wer vorher Vollzeit gearbeitet hat, muss mit Einkommenseinbußen rechnen. 3–4 Jahre lang. Das muss finanzierbar sein.

Was spricht dafür?

  • Arbeitsplatzsicherheit: Der Fachkräftemangel ist real. Wer die Ausbildung abschließt, findet Arbeit.
  • Sinnhaftigkeit: Kita-Arbeit ist anstrengend, aber selten sinnlos. Entwicklung begleiten, Bindung aufbauen, Alltag gestalten – das sind Tätigkeiten mit direkter Wirkung.
  • Vielfalt im Team: Quereinsteiger:innen bringen andere Perspektiven mit. Das kann Teams bereichern, Routine aufbrechen, neue Impulse setzen.

Was sollte man vorher wissen?

  • Es wird nicht leichter, wenn man älter ist. Wer mit 40+ noch mal Azubi wird, sitzt neben 20-Jährigen in der Fachschule. Das ist nicht für alle selbstverständlich.
  • Nicht jede Kita ist eine gute Ausbildungsstätte. Wenn Personal fehlt, wird man schnell als „günstige Kraft" eingeplant, statt als Lernende:r begleitet zu werden.
  • Elternschaft und Quereinstieg gleichzeitig ist machbar, aber hart. Vor allem, wenn Partner:in ebenfalls Vollzeit arbeitet.
  • Abbruchquote ist hoch. Viele steigen ein, viele steigen aus. Oft zwischen dem ersten und zweiten Jahr, wenn klar wird, was die Ausbildung wirklich bedeutet.

Was hilft bei der Entscheidung?

Hospitation: 2–3 Tage in einer Kita mitlaufen, bevor man sich bewirbt. Nicht nur bei der Morgenrunde zuschauen, sondern auch bei Wickelsituationen, beim Mittagessen, beim Konfliktmanagement.

Gespräch mit Quereinsteiger:innen: Fragen, wie der Alltag wirklich aussieht. Nicht bei Träger-Infoveranstaltungen, sondern persönlich.

Finanzplan aufstellen: 3 Jahre lang weniger Geld. Was bedeutet das konkret? Welche Fixkosten bleiben? Was ist Puffer?

Alternative Einstiegswege prüfen: Manche Bundesländer bieten verkürzte Ausbildungen für bestimmte Vorqualifikationen. Lohnt sich, nachzufragen.

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Quereinstieg ist ein realistischer Weg in die Kita – aber kein einfacher. Wer Zeit, Energie und finanzielle Stabilität mitbringt, kann ihn gehen. Wer unsicher ist, sollte vorher hospitieren, mit Betroffenen sprechen, Finanzierung klären. Nicht jede Kita ist eine gute Ausbildungsstätte. Nicht jeder Träger zahlt anständig. Und nicht jede:r hält durch. Aber wer es durchzieht, findet Arbeit. Das ist sicher.

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