KITAJOBS Magazin

Eingewöhnung nach dem Berliner Modell – Ablauf und Praxis

Veröffentlicht am: 
10.3.2026

Das Berliner Modell ist der Standard für sanfte Eingewöhnung in deutschen Kitas. Es verspricht einen strukturierten Übergang, bei dem das Kind schrittweise in die neue Umgebung hineinwächst. Doch was genau passiert in welcher Phase? Und wie können Eltern ihr Kind aktiv unterstützen, ohne den Prozess zu stören?

Was ist das Berliner Eingewöhnungsmodell?

Das Berliner Modell wurde in den 1980er Jahren am Berliner Institut für angewandte Sozialisationsforschung entwickelt. Es basiert auf der Bindungstheorie von John Bowlby und setzt auf eine elternbegleitete, phasenweise Eingewöhnung. Der Prozess dauert in der Regel 6 bis 14 Tage – je nach Bindungsverhalten des Kindes.

Kern des Modells: Das Kind baut eine stabile Beziehung zur Bezugserzieherin auf, bevor die Eltern sich zurückziehen. Die Eingewöhnung folgt einem klaren Ablauf, der sich an den Reaktionen des Kindes orientiert.

Die vier Phasen des Berliner Modells

Phase 1: Grundphase (Tag 1–3)

Ein Elternteil begleitet das Kind für 1–2 Stunden in die Kita. Das Kind darf die Räume erkunden, während der Elternteil sich passiv im Hintergrund hält – sichtbar, aber nicht aktiv spielend.

Die Bezugserzieherin nimmt vorsichtig Kontakt auf, bietet Spielmaterial an, beobachtet. In dieser Phase gibt es noch keine Trennung. Das Kind soll Vertrauen zur Umgebung und zur Erzieherin aufbauen, ohne Stress zu erleben.

Was Eltern tun können: Präsent sein, aber nicht eingreifen. Kein aktives Spielen mit anderen Kindern, keine Ablenkung durch das Handy. Das Kind soll merken: Die Erzieherin ist die neue Ansprechperson.

Phase 2: Erster Trennungsversuch (Tag 4)

Am vierten Tag verabschiedet sich der Elternteil nach kurzer Zeit und verlässt den Raum für maximal 30 Minuten. Die Erzieherin bleibt beim Kind und reagiert auf dessen Verhalten.

Wie das Kind auf die Trennung reagiert, entscheidet über den weiteren Verlauf:

  • Kurze Eingewöhnung (ca. 6 Tage): Das Kind protestiert kurz, lässt sich aber schnell von der Erzieherin beruhigen und spielt weiter.
  • Längere Eingewöhnung (10–14 Tage): Das Kind weint anhaltend, lässt sich nicht trösten, verweigert Essen oder Spielen.

Was Eltern tun können: Klarer Abschied. Kein Schleichen, kein mehrmaliges Zurückkommen. Das Kind muss verstehen: Mama oder Papa gehen jetzt, aber sie kommen wieder.

Phase 3: Stabilisierungsphase (Tag 5–7 oder länger)

Die Trennungszeiten werden schrittweise ausgedehnt. Die Bezugserzieherin übernimmt zunehmend Pflegeroutinen: Wickeln, Essen, Trösten. Das Kind lernt, dass es sich auf die Erzieherin verlassen kann.

Wenn das Kind sich von der Erzieherin trösten lässt, ist das ein Zeichen für wachsendes Vertrauen. Wenn es weiterhin untröstlich bleibt, wird die Eingewöhnung verlangsamt.

Was Eltern tun können: Geduld haben. Nicht drängen, nicht vergleichen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Rückschritte sind normal, vor allem nach Wochenenden oder Krankheitspausen.

Phase 4: Schlussphase (ab Tag 8 oder später)

Die Eltern sind nicht mehr in der Kita, aber jederzeit telefonisch erreichbar. Das Kind bleibt für die vereinbarte Betreuungszeit und zeigt stabile Bindungssignale zur Bezugserzieherin: Es sucht Trost bei ihr, spielt entspannt, nimmt am Alltag teil.

Die Eingewöhnung gilt als abgeschlossen, wenn das Kind sich von der Erzieherin beruhigen lässt und positive Momente in der Kita erlebt.

Was Eltern tun können: Verlässlich bleiben. Abholzeiten einhalten. Vertrauen signalisieren. Das Kind spürt, ob die Eltern der Kita vertrauen – und überträgt diese Haltung.

Typische Fehler in der Eingewöhnungsphase

Zu frühe Trennung

Manche Kitas drängen auf schnellere Übergänge, weil Personalknappheit oder volle Gruppen Druck erzeugen. Wenn das Kind noch keine Bindung zur Erzieherin aufgebaut hat, führt eine zu frühe Trennung zu Dauerstress – mit Folgen für Vertrauen und Gesundheit.

Wechselnde Bezugspersonen

Das Berliner Modell setzt auf eine feste Bezugserzieherin. Wenn diese häufig wechselt (Urlaub, Krankheit, Springer), kann das Kind keine stabile Bindung aufbauen. Die Eingewöhnung stagniert oder scheitert.

Fehlende Vorbereitung auf beiden Seiten

Eltern, die unsicher sind, übertragen diese Unsicherheit aufs Kind. Erzieherinnen, die keine Zeit für Beziehungsarbeit haben, können die Eingewöhnung nicht professionell begleiten. Beides erhöht die Misserfolgsrate.

Wann das Berliner Modell an seine Grenzen stößt

Das Berliner Modell ist praxiserprobt, aber nicht universell anwendbar. Es setzt voraus, dass eine Bezugsperson mehrere Tage am Stück Zeit hat. Berufstätige Eltern ohne flexible Arbeitszeiten, Alleinerziehende oder Familien ohne Backup stoßen hier schnell an organisatorische Grenzen.

Auch Kitas mit chronischem Personalmangel können das Modell oft nicht konsequent umsetzen. Wenn die Bezugserzieherin nach drei Tagen ausfällt oder in eine andere Gruppe wechselt, bricht die aufgebaute Bindung zusammen.

In solchen Fällen wird manchmal auf das Münchener Modell oder andere Ansätze ausgewichen – diese arbeiten mit kürzeren, aber flexibleren Phasen.

Tschüss Pendeln, hallo Freizeit. 👋

Finde Kitas in deiner direkten Nachbarschaft.

Struktur hilft, aber Flexibilität entscheidet

Das Berliner Modell bietet einen klaren Ablaufplan für eine bindungsorientierte Eingewöhnung. Es funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: genug Personal, eine feste Bezugsperson, Zeit für Beziehungsarbeit.

Eltern sollten sich vorab informieren, wie die Kita Eingewöhnung konkret umsetzt – und ob die Bedingungen eine stabile Umsetzung ermöglichen. Wenn das Kind nach zwei Wochen noch untröstlich ist, die Bezugsperson häufig wechselt oder die Kita unter Dauerstress steht, ist das kein Zeichen für ein „schwieriges Kind", sondern ein strukturelles Problem.

Eine gelungene Eingewöhnung ist kein Sprint. Sie ist ein gemeinsamer Prozess, der Vertrauen schafft – zwischen Kind, Eltern und Kita.

Content Marketing Team

Wir liefern die Antworten auf die brennendsten Fragen rund um den Kita-Arbeitsmarkt. Ob Tipps für den perfekten Lebenslauf, moderne Strategien gegen den Personalmangel oder News zu unserem Partnerprogramm – das KITAJOBS.net Content-Team bereitet komplexe Themen einfach und verständlich für Sie auf.