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Ausbildungs-Kitas in Hamburg: Warum Praxisausbildungsstätten (PAS) für Fachkräftegewinnung entscheidend sind

30.04.2026
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Das Wichtigste in Kürze

  • PAS sind Kitas mit besonderer Ausstattung für Praxisanleitung: mehr Personal, feste Anleiter:innen, Zeitbudget für Reflexion.
  • Qualität der Ausbildung hängt direkt davon ab, ob Azubis echte Begleitung bekommen – nicht nur „mitlaufen".
  • Wegfall von PAS verschiebt Ausbildungsplätze in Regelkitas, wo oft weder Zeit noch Struktur für gute Anleitung vorhanden ist.
  • Träger stehen vor der Frage: Investiere ich in Ausbildung oder nutze ich Azubis als Personalersatz?
  • Azubis sollten vor Vertragsunterschrift konkret fragen: Wie viel Zeit hat meine Praxisanleitung? Wie oft finden Reflexionsgespräche statt?

Am 28. April forderte die GEW Hamburg die Bürgerschaft auf, den Stopp weiterer PAS-Schließungen zu beschließen. Der Hintergrund: Die Stadt hatte angekündigt, das Modell der Praxisausbildungsstätten zu überprüfen und teilweise zurückzufahren. Die Gewerkschaft sieht darin eine Gefahr für die Ausbildungsqualität – und damit für die künftige Fachkräfteversorgung. Die Bürgerschaft soll am 6. Mai entscheiden, ob es ein Moratorium gibt, ob bisherige Schließungen transparent dokumentiert werden und ob alle Akteur:innen (Träger, Schulen, Azubis) in die Weiterentwicklung einbezogen werden.

Für angehende Erzieher:innen bedeutet das: Ihre Praxisstelle ist keine Nebensache. Sie prägt, wie sie den Beruf lernen – und ob sie ihn später ausüben wollen.

Was ist eine Praxisausbildungsstätte (PAS) – und was macht sie anders als eine „normale" Kita?

Eine PAS ist eine Kita, die offiziell als Ausbildungsort anerkannt ist und dafür zusätzliche Mittel bekommt. Das heißt konkret: mehr Personalstellen, feste Praxisanleiter:innen mit entsprechender Qualifikation, und Zeitbudget, das ausdrücklich für Anleitung vorgesehen ist – nicht für Gruppendienst.

In Hamburg gab es bis vor kurzem rund 50 solcher Einrichtungen. Sie wurden gezielt gefördert, um PiA (Praxisintegrierte Ausbildung) und andere Ausbildungsformen qualitativ zu begleiten. Eine PAS unterscheidet sich von einer Regelkita dadurch, dass Anleitung nicht „nebenbei" läuft, sondern Teil des Dienstplans ist.

Ein Beispiel: In einer PAS ist die Praxisanleiter:in zwei Stunden pro Woche freigestellt, um mit der Azubi zu reflektieren, Lernsituationen zu besprechen, Lernziele abzugleichen. In einer Regelkita steht dieselbe Person gleichzeitig als Springer zur Verfügung und wird bei Krankmeldungen eingeplant. Das macht den Unterschied zwischen „ich lerne hier etwas" und „ich funktioniere hier".

Typisches Missverständnis: „Jede Kita kann ausbilden." Formal stimmt das oft – viele Träger haben die Berechtigung. Praktisch fehlen aber genau die Ressourcen, die eine PAS mitbringt: Zeit, Struktur, Haltung.

Warum sind PAS ein Hebel gegen Fachkräftemangel?

Weil sie nicht nur Azubis produzieren, sondern Fachkräfte, die bleiben. Studien zeigen: Wer in der Ausbildung schlecht begleitet wird, bricht ab oder wechselt nach der Prüfung den Beruf. Wer gute Anleitung bekommt, bleibt – und empfiehlt die Einrichtung weiter.

PAS wirken auf drei Ebenen:

  1. Qualität der Ausbildung: Azubis lernen nicht nur „wie es läuft", sondern warum. Sie entwickeln ein fachliches Fundament, das über „irgendwie hinkriegen" hinausgeht.
  2. Bindung an den Träger: Wer sich während der Ausbildung ernst genommen fühlt, bleibt nach dem Abschluss. Das ist billiger als jede Rekrutierungskampagne.
  3. Attraktivität des Berufs: Wenn angehende Erzieher:innen in ihrer Praxisphase erleben, dass pädagogische Arbeit unter guten Bedingungen möglich ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie langfristig dabei bleiben.

Umgekehrt gilt: Wenn Azubis in Regelkitas landen, wo Anleitung „irgendwann mal" passiert und sie hauptsächlich Lücken stopfen, sinkt die Motivation. Sie sehen den Beruf, wie er aktuell ist – nicht wie er sein könnte.

Praxisbeispiel: Eine PiA-Azubi beschreibt es so: „Ich lerne viel, aber im Alltag bleibt keine Zeit für Anleitung. Wenn ich Fragen habe, heißt es: Später, gerade ist Chaos." Das „Später" kommt selten.

Welche Risiken entstehen, wenn PAS wegfallen oder ausgedünnt werden?

Drei konkrete Folgen:

Für Azubis: Sie werden zu billigem Personal. Ohne feste Anleitungsstruktur bleibt nur „learning by doing" – oft ohne Reflexion, ohne Einordnung, ohne Korrektur. Das führt zu Unsicherheit, Fehlern und Überforderung. Viele brechen ab oder wechseln nach der Ausbildung in andere Bereiche.

Für Teams: Die Belastung steigt. Praxisanleitung ist zusätzliche Arbeit. Wenn sie nicht als eigene Aufgabe anerkannt und eingeplant wird, bleibt sie liegen – oder läuft nebenher, halbgar. Das frustriert sowohl Anleiter:innen als auch Azubis.

Für Kinder: Schlechte Ausbildung bedeutet schlechte Betreuung. Azubis, die nicht begleitet werden, orientieren sich an dem, was sie sehen – und das ist im Personalmangel oft Notbetrieb, nicht gute Praxis. So setzt sich ein Muster fort, das niemand will.

Teamkonflikt-Beispiel: Eine Praxisanleiter:in ist offiziell benannt, wird aber ständig als Springer eingeplant. Das Team weiß: „Eigentlich sollte sie Zeit für die Azubi haben." Passiert aber nicht. Die Azubi fühlt sich im Stich gelassen, die Anleiter:in überlastet, das Team gespalten.

Was braucht gute Praxisanleitung realistisch?

Drei Dinge:

Zeit: Mindestens zwei Stunden pro Woche für Reflexion und Lernbegleitung, fest im Dienstplan. Nicht „wenn es sich ergibt", sondern verlässlich.

Qualifikation: Praxisanleiter:innen brauchen eine entsprechende Weiterbildung. Es reicht nicht, „schon lange dabei" zu sein. Anleitung ist eine eigene Kompetenz: Feedback geben, Lernziele formulieren, Entwicklung begleiten.

Rahmenbedingungen: Die Einrichtung muss Anleitung als Aufgabe anerkennen. Das heißt: nicht als „Goodie", sondern als Teil der Personalplanung. Wenn die Anleiter:in ständig einspringt, weil Personal fehlt, funktioniert das System nicht.

Trägerentscheidung-Beispiel: Ein Träger steht vor der Wahl: Investiere ich in eine halbe Stelle für Praxisanleitung oder nutze ich das Budget, um kurzfristig die Gruppenlücke zu schließen? Kurzfristig scheint die Lücke dringender. Langfristig fehlen dann aber genau die Fachkräfte, die gut ausgebildet wurden – und der Mangel verschärft sich.

Welche Fragen sollten Träger, Leitungen und Auszubildende jetzt stellen?

Träger:

  • Wie viele Ausbildungsplätze haben wir? Wie viele davon werden wirklich begleitet?
  • Sind Praxisanleiter:innen im Dienstplan freigestellt oder laufen sie im Gruppendienst mit?
  • Was kostet uns ein Ausbildungsabbruch – im Vergleich zu einer halben Stelle für Anleitung?

Leitungen:

  • Wie schütze ich Anleitungszeit vor dem Alltagsdruck (Springer-Einsätze, Krankheitsvertretungen)?
  • Haben meine Praxisanleiter:innen die nötige Qualifikation? Wenn nicht: Wie organisiere ich Weiterbildung?
  • Wie dokumentiere ich Anleitung transparent, damit alle (Team, Azubis, Träger) wissen, was läuft?

Auszubildende (PiA, FSJ, Praktikant:innen):

  • Wer ist meine Praxisanleiter:in? Wie viel Zeit hat sie konkret für mich?
  • Wie oft finden Reflexionsgespräche statt – und sind die Termine verbindlich?
  • Was passiert, wenn ich Fragen habe oder überfordert bin? Gibt es eine klare Anlaufstelle?

Diese Fragen klingen banal. Aber in der Praxis werden sie oft nicht gestellt – oder mit „läuft schon irgendwie" beantwortet. Das reicht nicht.

Mini-FAQ

Was bedeutet PAS konkret – ist das eine eigene Kita-Art?

Nein. PAS ist kein eigener Kita-Typ, sondern eine Funktion. Jede Kita kann theoretisch PAS werden, wenn sie die Voraussetzungen erfüllt: entsprechendes Konzept, qualifiziertes Personal, zeitliche Ressourcen für Anleitung. In Hamburg wurden PAS zusätzlich gefördert, um diese Funktion systematisch aufzubauen. Ob eine Kita PAS ist oder nicht, sagt also nichts über die pädagogische Ausrichtung (Montessori, Waldorf etc.), sondern über die Ausbildungskapazität.

Wie erkenne ich als PiA/Azubi eine gute Praxisstelle?

Drei Kriterien:

  • Feste Anleiter:in: Es gibt eine konkrete Person, nicht „das Team".
  • Zeitbudget: Anleitungsgespräche sind im Dienstplan verankert, nicht „nach Bedarf".
  • Konzept: Die Einrichtung kann erklären, wie Anleitung abläuft (Struktur, Lernziele, Feedback-Rhythmus).

Wenn auf die Frage „Wie läuft die Anleitung?" nur „Du wirst gut begleitet" kommt, ohne konkrete Details – Vorsicht.

Wer ist für Praxisanleitung verantwortlich – und wie viel Zeit ist üblich?

Verantwortlich ist die benannte Praxisanleiter:in. Sie braucht eine entsprechende Qualifikation (meist eine Weiterbildung im Umfang von 40–100 Stunden, je nach Bundesland) und sollte mindestens zwei Stunden pro Woche ausschließlich für Anleitung zur Verfügung haben – nicht für Gruppendienst. In manchen Bundesländern sind drei Stunden vorgeschrieben. Wenn weniger Zeit eingeplant ist, läuft Anleitung nur nebenbei – und das reicht nicht.

Was kann eine Kita kurzfristig tun, um Ausbildungsqualität zu stabilisieren?

Drei Schritte:

  1. Anleitungszeit schützen: Im Dienstplan als feste Position eintragen, nicht als „Puffer".
  2. Struktur schaffen: Wöchentliche Reflexionsgespräche terminieren, Lernziele dokumentieren, Feedback-Kultur etablieren.
  3. Erwartungen klären: Mit Azubis, Team und Träger transparent machen, was Anleitung bedeutet – und was nicht (kein Lückenfüller, kein Springer-Ersatz).

Das kostet kein zusätzliches Budget, aber Klarheit und Konsequenz.

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PAS sind keine Luxus-Kitas, sondern ein systematischer Versuch, Ausbildung ernst zu nehmen. Sie zeigen, was funktioniert: Zeit, Struktur, Haltung. Ihr Wegfall verschiebt das Problem nicht – er verschärft es. Wenn Azubis in Regelkitas landen, wo Anleitung „irgendwie mitläuft", sinkt die Qualität der Ausbildung. Und damit die Chance, dass sie im Beruf bleiben.

Die politische Debatte in Hamburg ist ein Stellvertreter-Konflikt: Investieren wir in Ausbildung oder sparen wir an der falschen Stelle? Träger, Leitungen und Auszubildende sollten die Fragen aus diesem Artikel nicht als Checkliste abhaken, sondern als Entscheidungsgrundlage nutzen: Wird Anleitung hier ernst genommen – oder ist sie ein Nebenschauplatz?

Egal wie die Bürgerschaft am 6. Mai entscheidet: Gute Praxisanleitung braucht Ressourcen. Wer sie nicht einplant, bekommt keine Fachkräfte – sondern frustrierte Azubis und überlastete Teams.

30.04.2026
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Laura Niebel
Content & Social Media Managerin

Ich bin Laura und ich mag Texte, die was bringen. Ich komm aus dem Kita-Alltag, und genau so sollen die Texte auch sein: Keine großen Überleitungen, keine Floskeln – lieber ein gutes Beispiel, eine klare Einordnung und am Ende etwas, das du direkt anwenden kannst. Hier geht's um Kommunikation und alles, was Teams (und Eltern) entlastet.